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Die Weine im südlichen Rhônetal im Jahr 2018

Wir erinnern uns alle des unglaublich tropisch-feuchten Frühjahrs, das einen noch nie dagewesenen Mehltau gedeihen ließ. Schließlich hatten die  Trauben doch eine gute Reife und eine recht ansehnliche Beerengröße erlangt.  Selbstredend  war  der  Jahrgang  ein  Jahr  des  „Winzers“,  ein Jahr „harter Arbeit“, um das Beste aus einem solchen Jahr herauszuholen. Ich werde nicht verallgemeinern und nur von dem sprechen, was in Saint Cosme passiert ist. Ich bin sehr erfreut über das Ergebnis: Dank der harten Arbeit in den Weinbergen konnten wir unsere Ernte retten und ausgewogene Weine erzielen. Das Endergebnis der Weine erfüllt mich mit Freude, denn der „Burgunder-Stil“ von Saint Cosme, der meinem Vater so am Herzen lag, kommt gut zur Geltung. In den etwas leichteren Jahrgängen bringt Saint Cosme den Boden eher flüchtig in einem langgliedrigen, zarten Stil zum Ausdruck mit Aromen von Pinot Fin: Unterholz, kleine rote Beeren, Veilchen usw. Diese 2018er erinnern mich an die 2008er (die heute so viel Trinkgenuss versprechen), die 1997er, 1991er und 1986er. In all diesen Weinen zeigen sich weder Schwere noch Exzesse noch Übertreibung. Sie sind angenehm, weich und bekömmlich. Ich bin jedes Mal überrascht, festzustellen, wie unterschiedlich die Jahrgänge in Saint Cosme von einem Jahr zum nächsten ausfallen. Dafür gibt es, glaube ich, zwei Gründe. Einerseits gibt unser Konzept der Nichteinmischung den Trauben die Möglichkeit, frei das zu entfalten, was die Natur ihnen schenkt. Einmischung fungiert wie ein schädlicher „Filter“, der die Präzision des Ausdrucks verhindert. Andererseits reagieren die kühlen Mikroklimata im gemäßigten mediterranen Klima sensibler auf Wetterveränderungen: Sie „verzeichnen“ diese Schwankungen mit mehr Feingefühl.

Die Weine im nördlichen Rhônetal im Jahr 2018

Paradoxerweise war dieses Weinjahr mit seinem verregneten Frühjahr im Norden des Rhônetals einfacher, denn niedrigere Temperaturen sind für die Entwicklung von Mehltau eher ungünstig, die Vegetationszeit war leichter  zu begreifen. Ein schöner Sommer, der für den Klimawandel symptomatisch ist, hat dann die Trauben problemlos reifen lassen. Ich sage es ganz offen, die schwierigen Jahrgänge, die in dieser Region bis Ende der 1990er Jahre recht häufig vorkamen, sind sehr selten geworden. Die Hermitage-Region hat 2018 tolle Erfolge gezeigt wie auch auch der Condrieu. Die Weine haben Struktur und ein schönes frisches Aroma.

Das nördliche Rhônetal erfährt seit einigen Jahren einen offensichtlichen und verdienten Erfolg, der dadurch verstärkt wird, dass es praktisch keine schlechten Jahrgänge mehr gibt. Appellationen wie Crozes-Hermitage und Saint Joseph haben in den letzten Jahren einen Riesensprung gemacht und das ist sehr erfreulich. Doch zahlreiche Weinberge werden heute mit geklonten Reben bepflanzt, einschließlich in der Côte Rotie, und eine deutliche Rückkehr zur massalen Selektion ist heute entscheidend. Man darf nicht vergessen, dass die Weinberge von Hermitage und Côte-Rotie, auch wenn es großartige Terroirs sind, auch immer Orte für die Vermehrung und Bestimmung der Syrah-Traube waren. Wir dürfen nicht die Bedeutung und Größe der Gewächse vergessen. Wir dürfen sie uns nicht von anderen wegnehmen lassen und wir müssen in der Lage sein, die Klugheit unserer Großväter zu erkennen und zu nutzen: Jener Männer, die Frankreich zu seiner Größe als Weinland verholfen haben.

Louis Barruol, Februar 2020

Eine Bemerkung zum Jahrgang 2019

Ein großer Jahrgang birgt immer auch ein Geheimnis. Warum haben die außergewöhnlichen Trauben im Jahr 2005 keinen großen Jahrgang hervorgebracht? Und warum haben die großen Erträge 1990 wider Erwarten sehr große Weine hervorgebracht? Die nachträglichen Erklärungen, teils revisionistisch, teils umständlich, sind mitunter ziemlich absurd, besteht ja die Grundlage unseres Berufes in der Weitsicht. Was mich anbelangt, so erkläre ich nicht: Ich stelle fest und lerne. Vielleicht hilft es fürs nächste Mal…

Sie haben sicher bereits verstanden, dass sich das Jahr 2019 in diese Linie der großen rätselhaften Jahrgänge einreiht. Ich verstehe immer noch nicht, warum die Reben bei diesem trockenen Sommer keine Anzeichen von Trockenstress gezeigt haben. Ich verstehe nicht, warum die Weine so frisch und so „zart" sind. Ich verstehe nicht, wie die Erträge doch so korrekt ausfallen konnten.

Im südlichen Rhônetal liegt das Jahr 2019 auf dem Niveau von 2016, 2010, 1998 und 1990. Es genügt, die Weine zu probieren, um jeden diesbezüglichen Zweifel auszuräumen. Die Dichte eifert mit der Finesse um die Wette und die Tiefe tut der „Feinheit“ keinen Abbruch. Sie werden von dem hohen Niveau der Weine überrascht sein.

Für das nördliche Rhônetal halte ich mein Urteil noch einige Monate zurück. Der Jahrgang ist sicher sehr gut. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man ihn in die Kategorie der 1991er, der 1999er und 2010er einreihen kann. Diesen Schritt werde ich heute nicht gehen. Die Weine aus dem Norden können großartige Überraschungen bereithalten – in beide Richtungen, im Übrigen – und der 1991er, der von den meisten Winzern mehrere Monate lang unverstanden blieb, kann das bezeugen. Lassen Sie uns die Weine genau im Auge behalten und eines Tages wird sich ihre wahre Beschaffenheit zeigen.

Neues und Aktuelles aus Saint Cosme

Das große Ereignis in diesem Jahr war natürlich der Erwerb des Château de Rouanne. Daher ist es normal, dass ich Ihnen viel von diesem Weingut erzählen werde, das Sie noch nicht kennen. Doch darf darüber nicht vergessen werden, dass das Team von Saint Cosme die –sehr mühevolle – Übernahme von Rouanne gedeichselt hat. Ich stand zwar an vorderster Front und habe persönlich den 2019er zubereitet, aber ohne die tagtägliche Unterstützung meines Teams wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Unsere Fläche ist von 32 auf 94 Hektar angestiegen und wird allesamt im ökologischen Weinbau bewirtschaftet. Wir stehen vor einer großen Herausforderung: Wir müssen eine vergleichbare Arbeit in einem anderen, größeren Maßstab leisten. Zum Team gehören jetzt 14 Leute und wir sind dabei, viel Arbeit in den Weinberg zu stecken.

In Saint Cosme geht das Leben seinen gewohnten Gang. Wir setzen die Renovierung der alten Pferdeställe fort. Die Renovierung der Kapelle von Saint Cosme, die mit dem Bürgermeister von Gigondas zusammen eingeleitet wurde, wird bald in Angriff genommen, nachdem Xavier Boutin, Architekt für Denkmalpflege, umfassende Vorarbeiten geleistet hat.

Unsere Arbeit am Weinberg geht mit unseren ureigenen Ideen und  Methoden weiter. Ich möchte heute einen Punkt klarstellen: Alle unsere Weinberge sind nach den Richtlinien für den ökologischen Weinbau zertifiziert. Wir haben die Ecocert-Zertifizierung erhalten. Obgleich unsere Ideen denen des biologisch-dynamischen Anbaus in einigen Punkten ähneln, möchte ich aus mehreren Gründen keine biodynamische Zertifizierung. Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass der Einsatz von Silizium im mediterranen Klima keinen Sinn macht: Silizium hat eine wirklich schädliche Auswirkung auf die alten Rebstöcke, aber Silizium ist nun einmal eins der vier Präparate, die für die Zertifizierungen nach Demeter und Biodyvin vorgeschrieben sind. Und dann behagt mir die Gedankenwelt der „Biodynamisten“ auch nicht. Ich liebe die Diskussion, die Offenheit und die Suche nach dem richtigen Weg durch Erprobung. Wenn eine Vorgehensweise nicht funktioniert, muss man das einfach akzeptieren, aber nicht die Realität durch Konzepte ersetzen, die nicht diskutiert werden dürfen. Daher kann man in der Champagne oder in der Provence nicht die gleichen Arbeitsmethoden anwenden: Die Klimaverhältnisse sind nicht vergleichbar und die Weinberge haben unterschiedliche Bedürfnisse. Selbst ein Kind würde das verstehen. Und außerdem mag ich diesen „Gruppenzwang“ nicht, ich liebe meine Unabhängigkeit und meine Gedankenfreiheit. Ich bin weder Fan vom Marketing noch von Modeerscheinungen und ich meide Leute, die sich als Moralaposteln aufspielen. Das sind meistens die Schlimmsten.

Ich schreite weiter auf dem Weg, den mein Vater vorgezeichnet hat und der auf der Beobachtung der Natur und ihrem Schutz basiert, der das Leben und die Artenvielfalt hervorbringt. Er richtete seine landwirtschaftlichen Methoden und seinen Alltag nach einem globalen Ökosystem aus. Seine Arbeit an der Seite von Raymond Pellegrin (einem auf seine Art genialen Mann) von der SAMA in den 1970er Jahren war entscheidend. Kommen Sie auf einen Spaziergang ins Tal von Saint Cosme und sehen Sie selber: Die Arbeitsmethoden des ökologischen Weinbaus beginnen mit der Liebe zur Natur und dem Schutz der Natur. Wir schneiden im März, wenn der Mond günstig steht, unsere Böden sind schön lebendig, wir setzen Begleitpflanzen ein und wenden noch viele andere Methoden des ökologischen Landbaus an, die auf unseren Erfahrungen und Beobachtungen seit Anfang der 1960er Jahre basieren. Ich werde eines Tages etwas ausführlicher über dieses Thema schreiben, denn eine Klarstellung, die über unser kleines Weingut hinausgeht, ist notwendig.

Die Lieux-dits von Saint Cosme

Gigondas "Le Poste"

Le Poste ist der Weinberg rund um die Kapelle von Saint Cosme. Er besteht aus vier Terrassen: drei sind mit Grenache und eine mit Clairette bepflanzt. Der Weinberg wurde 1963 von meinem Vater Henri neu gepflanzt. Dieser Lieu-dit hat eine besondere Geschichte: Jean IV. von Chalon-Arlay (1443- 1502) war Fürst von Orange, Gutsherr von Arlay, Nozeroy und Montfort. Er ist ein Vorfahr des Hauses Orange-Nassau und der erst kürzlich abgedankten Königin Beatrix der Niederlande. Er wurde gemeinhin Jean de Chalon, dann Fürst von Orange genannt. 1467 heiratet er Jeanne de Bourbon, Enkelin des Herzogs von Burgund, Johann I. von Burgund (Johann Ohnefurcht). Jean IV. von Chalon-Arlay stirbt am 8. April 1502 im Alter von 49 Jahren.

Unter Jean de Chalon gehörte Gigondas zum Fürstentum von Orange, das erst 1703 in das Königreich Frankreich eingeordnet wurde. 1480 veräußert Jean de Chalon, Fürst von Orange, „ein Stück Erde für den Weinbau an den Hängen von Saint Cosme“. Le Poste wurde zu dieser Zeit also als Weinbaugebiet ausgewiesen. Dann wechselt es den Besitzer und fällt 1490  in die Hände unseres Vorfahren Esprit Vaton. Wie sollte man angesichts dieser Tatsache nicht daran glauben, dass knapp 100 Meter von unseren Weinkellern aus dem 1. Jahrhundert bereits die Gallorömer Weinbau auf Le Poste betrieben? In den Jahren 1930-1940 bereitet unser Großvater, Henri Rolland, jedes Jahr den „Weißen von Le Poste“. Seine Güte ist allseits bekannt und wird von allen geschätzt. Er schmeckt stark nach Feuerstein und ist sehr saftig. Die Böden von Le Poste bestehen aus tortonischem Kalkmergel, in dem man zahlreiche Muschelfossilien finden kann. Der tortonische Kalkmergel (Miozän) ist in der Region Alba im Piemont weit verbreitet. Le Poste ist das einzige Beispiel für diesen Bodentyp im  gesamten Rhonetal, was den außergewöhnlichen Charakter der dort erzeugten Weine erklärt. Le Poste bringt stets den weiblichsten Wein des Weinguts hervor.

Gigondas "Le Claux"

Claus, Claux, Clausas, Clausis, Clauzis, aus dem lateinischen CLAUSUM, geschlossen, bezeichnen einen abgeschlossenen Raum. Dieser 1,8 Hektar große Weinberg, der in der ersten Weinbaukartei von 1902 verzeichnet ist, sollte 1914 ausgerissen werden. Demnach gehörte dieser Weinberg bereits 1914 zum „alten Eisen“ und war somit wahrscheinlich eine Post-Phylloxera- Anpflanzung aus den Jahren 1870-1880. Doch die Männer zogen im August 1914 in den Krieg und der Weinberg wurde aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht ausgerissen. Nach vier Kriegsjahren fehlte es 1918 an Geld und Männern und meine Großmutter hatte zwei ihrer Brüder verloren: Also behielt sie Le Claux. Dass dieser Weinberg noch heute besteht, ist ein großes Glück. Seine Böden aus Tonerde und Kalkmergel aus dem Miozän mit kleinen spitzen Schottersteinen an der Oberfläche bringen von  jeher den „burgundischsten“ Gigondas hervor, de sich durch seine Finesse und Aromen der kleinen Sauerkirsche auszeichnet.

Gigondas "Hominis Fides"

Wie auch Le Claux wird Hominis Fides erstmalig 1902 erwähnt. Dieser Weinberg ist somit einer der ältesten von Saint Cosme. Er besteht aus nicht kiesigen Kalk-Sand-Böden, die aus dem Sandstein aus dem Helvetikum (mittleres Miozän) vor rund 14 Millionen Jahren hervorgegangen sind. Diese Böden sind sehr kalkreich. Der felsige Untergrund, harter Sandstand, liegt in der Regel knapp einen Meter tief und tritt teilweise zutage. Maximal erreicht er eine Tiefe von 500 Metern. Nach der Absenkung des Golfe du Lion (Löwengolf) hat sich ein recht seichter Meeresarm in mehreren Phasen und über einen Zeitraum von rund 10 Millionen Jahren längs des aktuellen Rhonetals vorgeschoben und ihm so zum ersten Mal zu einer geologischen Identität zwischen dem Zentralmassiv und den Alpen verholfen. Zu dieser Zeit haben sich hier unglaubliche Mengen an Sand abgelagert. Aus dem Zusammenspiel dieser Sandböden mit der Grenache-Rebe ergeben sich eine Geschmackstextur und körnige Tannine, die ganz außergewöhnlich sind. Wucht trifft hier auf Zartheit. Hominis Fides ist ein unergründlicher Wein mit viel Tiefe.